
Reise-Tagebuch
Veröffentlicht am 08.04.2026

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Wenn Sie nach Gryon kommen und selbstbewusst den Einwohnern ein begeistertes „Bonjour, les Gryonnais!“ entgegenrufen, sollten Sie sich vielleicht auf ein verschmitztes Lächeln gefasst machen – oder sogar auf einige empörte Stirnrunzeln. Zwar bestätigen Wörterbücher und die offiziellen Verzeichnisse der Waadtländer Verwaltung diesen Begriff. Aber in Gryon gibt es ein anderes Wort, das tief in der Identität des Dorfes verwurzelt ist: die Tâtchis.
Der Spitzname „Lè Tatchi“ (oder Tâtchi) ist die eigentliche Bezeichnung für die Einwohner von Gryon. Dieser Begriff aus dem Dialekt bezeichnet ursprünglich einen Rucksack aus Ziegenleder. Er erinnert an eine Zeit, in der das Leben in Gryon von körperlicher Anstrengung und dem Transport von Waren auf dem Rücken der Männer über die steilen Pfade zu den Almen oder in die Nachbardörfer geprägt war. Ein Tâtchi zu sein bedeutet, das Erbe dieser bergigen Ausdauer in sich zu tragen.

Das Wappen von Gryon, aus einem Sandsteinblock gehauen © C.Parisod
Heute hat sich „Gryonnais“ im täglichen Sprachgebrauch durchgesetzt, doch der Spitzname „Tâtchi“ bleibt ein starkes Symbol für Stolz und dörfliche Identität. Er ist nach wie vor lebendig, wird weitergegeben und mit Stolz getragen. Man findet ihn übrigens oft in Einbürgerungsfragebögen oder Veröffentlichungen der Gemeinde als wesentlichen Bestandteil des lokalen Kulturerbes erwähnt. Dies ist eine Art, daran zu erinnern, dass sich hinter dem offiziellen Namen eine Seele verbirgt, die von den Bergen geprägt ist.
Um diese Entdeckung des Kulturerbes von Gryon fortzusetzen, bietet das „Maison du Terroir“ die Möglichkeit, in die lokale Geschichte und Traditionen einzutauchen. Mit regionalen Produkten, Kunsthandwerk und traditionellem Know-how verkörpert es diese wertvolle Verbindung zwischen Erinnerung, Identität und dem Dorfleben.
Kurz gesagt: Wenn Sie einen Einwohner von Gryon als „Gryonnais“ bezeichnen, liegen Sie aus administrativer Sicht richtig. Wenn Sie ihn jedoch als „Tâtchi“ bezeichnen, zeigen Sie ihm, dass Sie ein wenig über die tief verwurzelte Geschichte seines Landes wissen und den Vorfahren, die die Lasten trugen, den gebührenden Respekt entgegenbringen.

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