
Reise-Tagebuch
Veröffentlicht am 02.07.2026

Lange vor GPS-Halsbändern und Mikrochips orteten die Senner in den Alpes Vaudoises ihre Herden … mit dem Gehör, dank des Klangs der Glocken. Ob im Nebel oder hinter einem Bergrücken – das Läuten der Glocken ermöglichte es ihnen, die Tiere zu lokalisieren und die Entfernung zu ihnen einzuschätzen. Jede Kuh trug eine Glocke, deren Klang je nach Größe, Form oder Stimmung leicht unterschiedlich war. Die Senner kannten diese Klänge genau und konnten bestimmte Tiere identifizieren, ohne sie überhaupt zu sehen.
Auf den weitläufigen Hochweiden, wo die Herden manchmal verstreut oder verborgen waren, ermöglichte das Läuten der Glocken somit, die Tiere zu orten, zu überprüfen, ob sie sich bewegten, und ein verirrtes Tier schnell aufzuspüren.
Die grössten Glocken trugen oft die Anführerinnen der Herde. Indem sie ihrem Klang folgten, blieben die anderen Kühe in der Gruppe zusammen, und die Hirten wussten, wo sich die gesamte Herde befand.
Den Erzählungen der Älteren zufolge diente der Klang der Glocken auch dazu, Wölfe und Bären auf der Suche nach Beute abzuschrecken. Und bestimmten Überlieferungen zufolge hielten sie zudem Schlangen, Gewitter oder bösen Zauber fern.
Eine andere Sichtweise? Die Glockenspielergruppe aus Les Diablerets gibt bei traditionellen Veranstaltungen den Takt vor.