
Reise-Tagebuch
Veröffentlicht am 05.05.2026

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Wenn Sie die Voegel der Region ein wenig kennen, wissen Sie bestimmt, von welchem wir sprechen: Es handelt sich um einen Geier, dessen Fluegelspannweite – der Abstand von einer Fluegelspitze zur anderen – fast 3 Meter erreichen kann und der unter seinem Schnabel einen mysterioesen schwarzen „Bart“ traegt.
Es handelt sich tatsaechlich um den Bartgeier. Dieser Vogel wurde aufgrund seiner grossen Groesse in Legenden lange als Raubtier beschrieben, das Vieh und Kinder angreift. Er wurde ueber viele Jahre verfolgt, sodass er aus den Alpen verschwand – bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die ersten Fortpflanzungen in der Schweiz fanden erst 2007 statt, dank Wiedereinbuergerungs- und Schutzprogrammen.

Der Bartgeier hat ein helles Gefieder an Bauch und Kopf, wodurch er leicht zu erkennen ist. Jungvögel behalten ein Jahr lang ihr dunkelgrau-braunes Gefieder. © Camille Hue
Gluecklicherweise ist das Bild des Raubtiers, das dem Bartgeier anhaftet, falsch: Er ist ein Aasfresser und ernaehrt sich ausschliesslich von Kadavern. Er ist zudem der letzte, der frisst – nach Woelfen, Fuechsen und grossen Fleischfressern: Dank seines elastischen Kropfes und seiner kraeftigen Verdauungssaefte im Magen kann er Knochen verschlingen und sogar Sehnen und Baender von Huftieren (Gams, Steinboecke, Hirsche) verdauen. Wenn die Knochen zu gross sind (mehr als 40 cm), traegt er sie in die Hoehe und laesst sie auf Felsen fallen, wo sie in kleinere Stuecke zerbrechen. Der Geier ist daher sehr nuetzlich bei der Beseitigung von Abfaellen, weshalb er wegen seiner wichtigen hygienischen Rolle den Beinamen „Reiniger der Alpenweiden“ traegt!
Dieser standorttreue Geier lebt in Gebirgsregionen, weshalb es moeglich ist, ihn in den Alpes Vaudoises zu beobachten. Dennoch braucht man Geduld… Dieser Vogel ist selten und legt ein Gebiet von bis zu 350 bis 700 km² zurueck. Zum Vergleich: Der Weinberg des Chablais AOC, der sich von Villeneuve bis Bex erstreckt, umfasst 590 Hektar und macht etwa 15% des Waadtlaender Weinbaus aus. Das Gebiet eines Bartgeiers ist also 59 bis 118 Mal groesser und entspricht der Gesamtflaeche der Alpes Vaudoises!
Obwohl der Bartgeier als ausgewachsenes Tier keine natürlichen Feinde hat, verfügt er über ein Gefieder am Rücken, das es ihm ermöglicht, sich perfekt in seine Umgebung einzufügen (im Bild: ein junger Bartgeier) © Camille Hue

